Donnerstag, 25. Juni 2009

Prozente

Zwei, nein: eigentlich drei Dinge schützen das Kulturgut Buch vor der Reduktion ausschließlich auf den Handelswert: Die Buchpreisbindung, der ermäßigte Mehrwertsteuersatz und - ja, auch das: - die Büchersendung.

Die Buchpreisbindung sorgt dafür, daß Bücher bis in den letzten Winkel der Republik vertrieben werden können, ohne daß man in Ahlbeck, auf Hallig Hooge oder in Tutzing mehr für ein Buch zahlen muß als in Berlin, Hamburg oder München.

Die Büchersendung ist eine im übrigen europäischen Ausland kaum bekannte günstige Versendungsform - was in erster Linie beispielshalber Antiquaren beim Einzelversand von Büchern zugute kommt.

Und schließlich gibt es - wie auf Nahrungsmittel, Alkoholika und Schnittblumen - einen auf sieben Prozent reduzierten Mehrwertsteuersatz.

Alle drei Wände des Schutzraumes werden dünner: die Buchpreisbindung, im deutschsprachigen Raum insgesamt sowieso nur als mühsames Konstrukt prästabilierter Harmonie vor den Wettbewerbshütern in Brüssel gerettet, wird zunehmend durch die (Internet-) Großanbieter ausgehöhlt. Und zwar in beide Richtungen: Der portofreie Versand an den Internetkunden macht dem lokalen Buchhandel das Leben schwer, die ausverschämten Rabattforderungen an die Verlage denen.

Nun wird, obwohl schon wieder dementiert, wegen der der Autoindustrie geschenkten Abwrackprämie und der Milliarden, die in die Banken wegen der Nieten in Nadelstreifen gesteckt werden mußten, darüber nachgedacht, ob man nicht am Kulturgut Buch zwacken und die MwSt heraufsetzen kann.

Wenn nun noch das Briefmonopol fällt und die Briefpost sich, wie ihre Schwester DHL, dem gnadenlosen Zustellerwettbewerb aussetzen muß, dann schwant mir Schlimmes für die Büchersendung, die sowohl dem Antiquar wie dem Kunden nutzte.

Offensichtlich sind einige Menschen der Meinung, daß das Kulturgut Buch seine Rolle ausgespielt habe und abgewickelt werden könne.

Ich persönlich bin ja eigentlich nicht der Meinung. Aber wenn ich mir die Umsätze in meinem Laden anschaue, die sich in letzter Zeit tendenziell rapide gegen Null entwickeln, könnte ich dies als empirischen Beweis für die obige These anführen.

Sollten diese Entwicklungen sich fortsetzen, dann wird die Finanzierung der Autoindustrie und der Banken zum Ruin des flächendeckenden Buchhandlungsnetzes führen; Internet-Anbieter wie Amazon und Konsorten, die Bücher, CD und DVD nachgewiesenermaßen zum Einkaufspreis verkaufen, werden die ausschließlichen Anbieter des ehemaligen Kulturgutes sein für die Internet- und Schreibtisch-Junkies, die den Weg nach draußen vor die Tür nicht mehr finden; und die durch die erneute Erhöhung der Mehrwertsteuer erstickte Binnennachfrage läßt den auf seinen Bücherbeständen hockenden Buchhändler zum Don Quixote werden im Kampf für das Kulturgut Buch...

1 Kommentar:

  1. Im Grunde gebe ich dir ja Recht - Allerdings frage ich mich schon, ob es dem Kulturgut Buch schadet, wenn es von Internethändlern billig und ohne Versandkosten auch auf die Hallig Hooge oder sonstwohin versendet wird, oder ob es dem Kulturgut kleine Buchhandlung mit guter Beratung schadet? Und die gibt es auch wieder nicht auf der Hallig Hooge.

    Im Endeffekt aber beides schlimm.

    AntwortenLöschen