Freitag, 24. Juli 2009

Russen I

Viktor Jerofejew: Russische Apokalypse. Aus dem Russischen von Beate Rausch. Berlin Verlag 2009. 254 S., 8°. ISBN 9783-8270-0711-7. EUR 22,00



Die bis in die Gegenwart reichende (die russische Originalausgabe erschien 2006) Sammlung von Essays weist eine hohe Kohärenz von Schilderung und Geschildertem auf, wenn denn das heutige Rußland so ist, wie von Jerofejew geschildert (eigene Anschauung habe ich leider nicht).

In hektischer Sprache schildert Jerofejew aufgeregte Zeiten, eine Gesellschaft, die ihren Mittelpunkt verloren hat. Er spricht selten von Individuen, es sei denn, sie stünden als Politiker oder Künstler für größere Zusammenhänge. Sehr apodiktisch formuliert bleibt dem Leser kaum Raum zum Luftholen, Nachdenken, Urteile Prüfen. Vom Privaten als neuem Lebensziel des Individuums über "Mat", die Umgangs- bzw. Fluchsprache Rußlands, Geld, Literatur, Frauen, Mode bis zum Kreml und seinen "Bewohnern" geht der Parforceritt durch die russische Gegenwart.

Zum Glück schließt das Buch mit einer "Kritik der russischen Apokalypse" und einem Personen-Glossar, sonst wüßte man nicht, daß man bald wieder zu Atem kommen kann.

Ich werde bei den Menschen, die alles wissen und kennen, über alles ein abgeschlossenes Urteil haben, und die atemlos aus einer Überfülle von Phänomenen schöpfen, immer ganz nervös...

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