Samstag, 29. August 2009

Travens "Totenschiff" als Film

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Einer meiner Lieblingsromane, "Das Totenschiff" von B. Traven, ist 1959 verfilmt worden. Diese Verfilmung ist am 29. 10. 2009 um 20 Uhr im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald zu sehen.

Unbedingte Hinguckempfehlung!

Ich kenne den Film nicht und bin daher gespannt, welche Rolle Elke Sommer darin zu spielen hat - B. Travens Roman ist ziemlich frauenfrei...


DAS TOTENSCHIFF

Deutschland / Mexiko 1959, 98 Min., FSK: ab 16
Regie: Georg Tressler
Buch: Hans Jacoby, Georg Tressler, Werner J. Lüddecke, nach dem Roman von B. Traven
Kamera: Heinz Pehlke
Musik: Roland Kovacz
Mit Horst Buchholz, Mario Adorf, Helmut Schmid, Elke Sommer, Werner Buttler, Alf Marholm

Der amerikanische Seemann Philip Gale (Horst Buchholz) verpasst nach einer Nacht in einem Freudenhaus, in dem ihm sämtliche Papiere gestohlen worden sind, sein Schiff, die "Borghese". Ohne Seemannskarte erhält er keine neue Heuer. Die Antwerpener Polizei schiebt ihn über die Grenze nach Holland ab. Der amerikanische Konsul in Rotterdam versucht zwar, ihm zu helfen, doch Philip Gale kann nicht beweisen, dass er Philip Gale ist. Er versucht auf eigene Faust, nach Amerika zu kommen, und landet auf der "Yorikke". Dort freundet er sich mit dem polnischen Kohlenschlepper Lawski (hervorragend wie stets: Mario Adorf) an, der Philip aufklärt, dass die "Yorikke" ein Totenschiff ist: ein Schiff, das eines Tages hochversichert mit wertloser Ladung sinken soll. Vorher allerdings geht die Fahrt nach Afrika, um dort Aufständische mit Waffen zu versorgen.

Ich empfehle natürlich auch, den Roman vorher nochmals zu lesen:




Beide, sowohl die Rowohlt- wie die Diogenes-Ausgabe sind erhältlich über meine Homepage, oben rechts, buchkatalog.de.
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Fotoausstellung im Pommerschen Landesmuseum, Greifswald




(Anklicken zum Vergrößern, danach die Rücktaste des Browsers betätigen!)
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Freitag, 28. August 2009

2. Pommersche Kunstauktion


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Das ist wie mit dem atlantischen Tiefausläufer - Auktion pommerscher Kunst oder die speziell pommersche Art, Kunstauktionen zu gestalten? Wie auch immer, ich wies berets in einem anderen Blog darauf hin, daß jetzt bald die 2. Kunstauktion in Zinnowitz auf Usedom stattfindet.

Der Katalog kann im Laden eingesehen werden.

Der Auktionator beschreibt die zu versteigernden Lose so: "Zahlreiche namhafte Vertreter der Künstlerkolonien von Schwaan über Ahrenshoop, Hiddensee, Rügen, Usedom bis Wollin [...] haben mit ihren Werken Eingang in den Katalog gefunden. [...9 Abgerundet wird das Sortiment durch pommersche Kuriosa, wie die erste Pommernkarte um 1560 - mit Eintragung Vinetas vor der Usedomer Küste [...]"

Donnerstag, 27. August 2009

Seite, site, page

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In der gedruckten Ausgabe des Börsenblatts (Jg. 176, Heft 35) singt Jochen Jung das "Lob der Seite" (S. 13). Dort heißt es in Anbetracht der wirklich völlig anderen Gestaltungsprinzipien für die lesbaren Texte am Bildschirm:

"Dabei gibt es noch ganz andere Dinge, die fast unbemerkt dabei sind zu verschwinden. Noch haben wir sie nicht ganz aufgegeben, aber wir sind dabei, das Gefühl für sie zu verlieren. Zum Beispiel - für die Seite. Die gestaltete Zeitungsseite, Kunstbuchseite, Sachbuchseite, ja auch die des Lyrikbandes und, warum nicht, auch die des Romans. Ich meine die viereckige Seite, mehr hoch als breit, und ich meine eben nicht die - etymologisch eh unverwechselbar - Website und auch nicht die Homepage. Deren Seite ist nämlich in der Regel ein potenzielles Endlosprodukt, das zwar einen festen Beginn, aber ein offenes Ende hat. Wenn ich die aufrufe, sehe ich, je nach Schirm, einen Anfang und, wenn ich dann weiterscrolle, sich ständig verändernde Ausschnitte..
Auch das läßt sich natürlich irgendwie gestalten, aber es gibt da eben nicht mehr die auf einen Blick erfassbare Seite, die in der Art, wie sie aufgeteilt ist, wie sie Text und Bild einander zuordnet, mit gestalterischen Mitteln, also intelligent und sensibel, Botschaften vermittelt."

Stimmt. Vgl. dieses Blog...
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Mittwoch, 26. August 2009

„Am Ende kommen Touristen“ - nordoststreifen im PLM

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Mit seiner Reihe nordoststreifen unternimmt das Pommersche Landesmuseum am Donnerstag, 10. September, eine filmische Reise in die polnische Kleinstadt Oswiecim, die unter dem Namen Auschwitz entsetzliche Berühmtheit erlangte. „Am Ende kommen Touristen“ erzählt die Geschichte von Sven, der eigentlich nur ohne Mühe seinen Zivildienst abreißen wollte; dummerweise war aber nur noch die unbeliebte Stelle in einer polnischen Gedenkstätte frei. Also reist Sven fast 70 Jahre nach Beginn des 2. Weltkrieges ins östliche Nachbarland. Der junge Deutsche lernt die letzten Überlebenden des Holocaust kennen, die Routine des Gedenktourismus, eine fremde Sprache - und er trifft Ania, in die er sich verliebt. Doch wie kann an einem Ort normales Leben gelingen, an dem eigentlich gar nichts normal ist? Ania zieht es in den Westen und Sven muss sich entscheiden: Soll er bleiben oder gehen? Am Ende kommen wie immer Touristen… Regisseur Robert Thalheims einfühlsamer Film über das Leben zwischen Zukunftsträumen und der Konfrontation mit der Vergangenheit ist auch eine Liebesgeschichte aus dem neuen Europa. D 2007, Beginn um 20.30 Uhr, Eintritt wie immer 3 Euro.


Museumsfilm am 10. September 2009 „Am Ende kommen Touristen“
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Ölaktionisten und Luzernenlaster mit Strass

am 01.September 2009, 20:00 bis 22:00 Uhr

im
Froschkönig,
Literatur- und Pianobar
Weisestraße 17
12049 Berlin-Neukölln

www.froschkoenig-berlin.de

fünf PoetInnen aus München, Ostfriesland, Berlin und Stralsund
präsentieren ein- und mehrstimmige Werke:

Michael Hüttenberger
Silke Peters
Armin Steigenberger
Christel Steigenberger
Lutz Steinbrück

Samstag, 22. August 2009

Ceci n'est pas une pipe


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(Plakat zur Ausstellung in der Galerie Schwarz, Greifswald; Ausstellung bis zum 12. September)
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(Anklicken zum Vergrößern! Danach die Rücktaste des Browsers betätigen...)
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Freitag, 21. August 2009

Feierstimmung

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Allen Widrigkeiten zum Trotz wird gefeiert. Gestern im "Kontorkeller" mit den Stimulators, danach bei Shorty mit Bernd Schwahn & Co. (Otto am Schlagzeug, Klaus Walter an den diversen Harmoniken), hinterher wurde gejammed.

Heute geht's weiter zum Museumshafenfest.

Irgendwie müssen wir in die Finanz- und Wirtschaftskrise doch ein bißchen Leben bringen...
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Donnerstag, 20. August 2009

Der Versand von Büchern und seine Kosten

Im online-Börsenblatt findet sich ein Kommentar von Christina Schulte zur allseits immer beliebter werdenden Praxis, mit portofreiem Versand zu werben. (Ein ausführlicher Artikel dazu steht im gedruckten Börsenblatt, das heute im Postfach war. Leider bin ich nicht in der Lage, ihn online aufzutreiben...)

Obwohl mir das so ähnlich vorkommt wie die Beilage einer Tüte Haribo durch einige Büroartikelversender, wenn man 2500 Blatt Kopierpapier kauft (wer mag sich dadurch locken lassen?), aber - beurteilt nach den Verkaufszahlen (s. die Grafik aus dem gedruckten Börsenblatt unten) -: die Portofreiheit scheint ein Gimmick zu sein, das ausgesprochen charmierend auf Käufer wirkt.

Aber auf welche?

Wer neue und preisgebundene Bücher über meine homepage kauft, findet sie entweder einen Tag später im Laden oder zwei Tage später im Postkasten - zum gebundenen Ladenpreis. Wohlgemerkt: Wir sprechen hier von neuen Büchern - lieferbar und folienverschweißt, in der Regel im Preissegment zwischen 10 und fünfzig Euronen. Es mag sein, daß in diesem Bereich die Portofreiheit ein echtes Verkaufsargument ist.

"Einzig Nischenanbieter können es sich leisten, den Kunden Geld für den Versand abzuknöpfen", schreibt Christina Schulte. Mit dem antiquarischen Bestand ist man hoffentlich in einer solchen Nische; beim Verkauf einer Erstausgabe der frühen Romane Koeppens muß ich über Portofreiheit gar nicht erst reden, selbst wenn ich das Buch aus Nachverfolgungsgründen als Paket verschicke. Insofern wird die Nische "bibliophiles Antiquariat" davon nicht betroffen.

Ernstlich betroffen sind davon der Besorgungsbereich und, natürlich, die Bücher zwischen 10 und hundert Euro. Aber auch hier sollte man als HändlerIn nicht auf die Schnäppchenjäger und die "Geiz-ist-geil"-Junkies setzen, über die man sich so wunderbar auslassen kann, sondern hier kann man davon ausgehen, daß man erbrachte Leistung und entstandene Kosten auch wirklich in Rechnung stellen darf - z. B. Porto und Verpackung. Schließlich muß ich die Preise für meine nicht preisgebundenen Bücher nur um 3 Euro hochsetzen, um mit der käuferpsychologisch scheinbar ach so wichtigen Portofreiheit werben zu können, ohne tatsächlich Verluste zu machen. Wer seine KundInnen kennt, braucht zu solchen Tricks nicht zu greifen; Preisbildung bei antiquarischen Büchern ist in starkem Maße Gefühlssache.

Um Preis, Rabatt und alles Mögliche wird sowieso verhandelt - beim Handel mit nicht preisgebundenen Büchern lassen viele ihrer Bazar-Mentalität die Zügel schießen (was ich nicht schlimm finde; ist immer wieder Anlaß zu guten und witzigen Gesprächen...). Die Kunden allerdings, die mit Verweis auf die Internet-Großhändler Portofreiheit fordern, gehen mir am A... vorbei - diese Klientel ist fast komplett zu den Großanbietern gewechselt und geht den AntiquarInnen als Kundschaft verloren. Sei's drum.

Wer allerdings, wie ich, nicht allein vom bibliophilen Antiquariat lebt, sondern vom Handel mit allem, was an bedrucktem Papier zwischen zwei Pappdeckeln klemmt (Inhaltlich-Ideologisches hier einmal ausgenommen), empfindet natürlich schon einen gewissen Schmerz darüber, daß der herstellende Buchhandel, wie z. B. der Beck Verlag, durch simple Einrichtung eines beck shops die Aufgabentrennung zwischen Handel und Herstellung unterläuft, an die zahlungskräftige anwaltliche Kundschaft direkt verkauft und sich den Buchhandelsrabatt damit auch noch in die Tasche steckt. Diese Praxis ahmen mittlerweile viele Verlage nach, und das finde ich wesentlich schlimmer als die Konkurrenz im 10-Euro-Segment. Und dies sogar unter Aufsicht und offenbar mit Billigung des Börsenvereins und seiner Landesverbände...


Zur Illustration hier einige Ausschnitte aus dem umfangreicheren Artikel im gedruckten Börsenblatt, 176. Jg. 2009, Heft 34, S. 16ff, Abbildungen S. 17f. (Zum Vergrößern anklicken und danach die Rück-Taste des Browsers betätigen):



Montag, 17. August 2009

Am Wochenende: Sommerfest auf der Greifswalder Museumswerft



(Anklicken zum Vergrößern)

Was ist ein Antiquar (m/w)?

Einen ersten Angang an den Begriff macht RF Meyer durch seinen Blogpost.

Ansonsten kann man auch hier nachlesen, erquicklich nicht nur für "junge Antiquare":

Wendt, Bernhard: Der Antiquariatsbuchhandel. Eine Fachkunde für junge Antiquare. Bearb. v. Gerhard Gruber. Stuttgart: Hauswedell, 4., neubearb. Aufl. 2003. IX, 227 S., Pp., 8°. ISBN: 978-3-7762-0503-9, 39.00 EUR.




Ansonsten fällt mir (an neuerer Literatur) noch ein:

Liebing, Arnulf: Handbuch für den Buch- und Graphiksammler. Mit 16 Farbtafeln und CD. Würzburg: Königshausen und Neumann 2008. 168 S., Pp., Gr8°. ISBN 978-3-8260-3751-1, 34,80 EUR

Kersting, Martin: Alte Bücher sammeln. Ein praktischer Leitfaden durch die Buchgeschichte und die Welt der Antiquare. München: Battenberg, 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage 2001. 416 S., kt., 8°. ISBN 3-89441-511-8, 19,80 EUR

... und schließlich für den Rest der Buchhändlerwelt:

Uhlig, Christian: Der Sortimentsbuchhandel. Ein Lehrbuch. Völlige Neubearbeitung des Werkes von Friedrich Uhlig. Stuttgart: Hauswedell, 20., völlig neu bearbeitete Auflage, mit 12 Tabellen und 78 Abbildungen 2008. XVI, 454 S., kt., 8°. ISBN 978-3-7762-0908-2, 36,- EUR

The Stimulators mal wieder in Greifswald!


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Nicht am angestammten Platz (im Keller des "Caspar"), sondern diesmal im "Alten Fritz" am Markt (wo denn da drin überhaupt?) tritt die absolut beste Musiktruppe (trotz des idiotischen Namens) auf, die in Kneipen spielen kann. Jazz, Rock, R'n'B, World Music, Latino. Absolute Gute-Laune-Musik!

Zum Glück sind viele im Urlaub; so besteht noch eine Chance auf eine Karte und Platz zum Tanzen...
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Sonntag, 16. August 2009

Lesung der VIER in Ueckermünde


(Abbildung: Venedig 2009 Silke Peters)


am freitag 21.august um 19.30 uhr gibt es zur finissage der ausstellung SCHRIFT-WASSER-ZEICHEN im ueckermünder kulturspeicher die erste gemeinsame lesung einer autorInnengruppe die sich seit dem mai diesen jahres ZELLE VIER nennt und das vier als wir versteht und gemeinsam texte schreibt einmal die woche in den weiten des netzes und nun erstmalig diese texte und sich selbst dem publikum vorstellt. MICHAEL HÜTTENBERGER (ostfriesland), SILKE PETERS (stralsund) ARMIN STEIGENBERGER und CHRISTEL STEIGENBERGER (beide münchen).

Mittwoch, 12. August 2009

No comment...

Finissage in Kartlow: Anett Lau am 5.9.09, 16 Uhr

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VERHALTENSMUSTER




Die Tapete als Rolle mit Muster,
die Rolle, die es spielt
in der Verknüpfung von Motiven:
angeordneter Möglichkeiten oder
mögliche Anordnungen?
Eine philosophierende Graphik,
schwarz - weiss,
darüber, wie sich Muster verhalten,
Verhaltensmuster.


Sehr geehrte Damen und Herren,

gegenüber dem Altarblatt "Christus in Gethsemane" von Ludwig August Most werden in einer Ausstellung Arbeiten der Künstlerin Anett Lau in der St. Johanniskirche zu Kartlow installiert.


Das Besondere daran ist, dass die Künstlerin vor anderthalb Jahren entdeckte, dass ihr UrUrUrgroßvater, Ludwig August Most - Maler und Zeichenlehrer der Stadt Stettin - dort 1873 dieses Altarblatt im Auftrag des Herrn Woldemar von Heyden - Cartlow gemalt hat.


Kartlow ist ca. 25 km von Greifswald entfernt, nicht weit von Jarmen. Die Ausstellung ist bis zum 05.09.09 tgl. von 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet, es ist eine offene Kirche.

Es gibt im Rahmen dessen noch zwei interessante Events:

am 23.08. 10:30 Uhr einen evangelische Gottesdienst mit Pastor R. Kuhl

und

am 05.09. die Finissage mit einer Lesung von Silke Peters, die ein wunderbares assoziationsreiches Gedicht "Kartlow" geschrieben und dabei ist, noch etwas zum Thema "Verhaltensmuster" zu verfassen.
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Szenische Lesung im Slavistenkeller *update*


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Am 22.8.09, um 18 Uhr, findet im Slavistenkeller "Tschajka" -



"Rein äußerlich besaß die „Tschajka“ (Möwe) – der Name wurde von russischen Autoexporteuren für ausländische Kunden geprägt – einen robusten Charme, technisch war sie ein Alptraum: Drei Tonnen Gesamtgewicht, 195 PS, 160 km/h Spitzengeschwindigkeit, Verbrauch 21 Liter auf 100 Kilometer. [...] 1996 wollte die Werksleitung von GAZ eine Neuauflage wagen und – griff komplett ins Leere: Alle Konstruktionspläne waren vernichtet, alle technischen Dokumentationen zerschreddert, alle Produktionsbänder abgebaut, alle Blechpressen verschrottet. Aus dem Mythos „Tschajka“ war endgültig das Phantom gleichen Namens geworden." (n-ost, Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung)

Foto: Andreas Netz



- eine szenische Lesung statt. Andrej Kurkow und die ÜbersetzerInnen des Erzählungsbandes "Kvitoslava" von Otar Dovzhenko lesen aus dem im nächsten Frühjahr erscheinenden Band. Im Anschluß an die Lesung findet ein ukrainischer Liederabend statt.

Die "Tschajka" findet sich im Keller des Instituts für Slawistik und Baltistik, neben dem Auslandsamt, Zugang über den Uni-Innenhof.
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Dienstag, 11. August 2009

Russen III



Oleg Jurjew: Die russische Fracht. Roman. Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynowa, Frankfurt: Suhrkamp 2009 (Russischer Originaltitel: Vineta). 220 S., Pp. m. OSchu, ISBN 978-3-518-42076-8, EUR 22,80

Man kann die surrealistische Schreibweise, die sich bei dem zweiten Russen bereits deutlich ausgeprägt hat, noch steigern. Ähnlich wie Jerofejew schreibt Jurjew eine Art Road Movie in Lettern; der eine sieht seine Road in den Schienensträngen der Bahnlinie von Moskau nach Petuschki, der andere im Fahrwasser eines Schiffes von St. Petersburg nach Lübeck.
Der Held der "russischen Fracht" flieht als Verfolgter aus Rußland auf einem ukrainischen Schiff mit dem Namen "Antonev", ukrainisch "Ateniv". An Bord befindet sich eine merkwürdige Fracht: Die gesamte Personnage der Vergangenheit des Helden, ob tot oder lebendig - eingefroren. Deklariert nach Deutschland, mit ordentlichen Papieren, werden die "Leichen" exportiert. Unterwegs - unnötig zu sagen, daß natürlich im Laufe der Reise in einer Art "Tanz der Vampire" alle Eingefrorenen auftauen und auftauchen - begegnen dem Schiff eine lange Reihe von Sagengestalten der Ostsee und ihrer Anrainer. Ihrer äußeren Beschreibung nach kann man sie ihrem Sagenkreis zuordnen; als Personen spielen sie alle eine Rolle während der Fahrt. Selbst der "Fliegende Holländer" spielt mit in Gestalt eines Kreuzfahrtschiffes mit Namen "Queen of Belgium", auf dem sich lauter EU-Greise durch die Ostsee schippern lassen. Der Held selbst hat eine Promotionsschrift (nicht anerkannt) verfaßt zum Zusammenhang zwischen Vineta und St. Petersburg. Und so spielen denn auch Vineta, Atlantis und andere untergegangene Städte eine wichtige Rolle; das israelische U-Boot deutscher Herstellung, mit dem des Helden leiblicher Vater im wahrsten Sinne des Wortes auftaucht, nutzt unterirdische Flüsse und Meere zur Fortbewegung, um überall dort auftauchen zu können, "wo schon einmal ein Jude gelebt hat". Am Ende fließen alle Mythen, alle Städte, alle Figuren in ein großes Bild ein, Vineta-St. Petersburg nimmt Fahrt auf und wird, Swifts Laputa ähnlich, zum Luftschiff, die "Antonev" wird zum Flaggschiff mit "tausend Segeln und Decks" und ist von Vineta-St-Peterburg-Atlantis nicht mehr zu unterscheiden, vor allem, wenn man den ukrainischen Namen (s. oben) richtig, nämlich von hinten liest...

Die Übersetzerinnen (beide sind bereits als Lyrikerinnen, Erb auch als "Prosanerin" in Erscheinung getreten) haben eine Meisterleistung vollbracht und viele Sprachspiele in ihren Text eingearbeitet - man kann vermuten, daß sie dem russischen Original sehr nahe gekommen sind.

Unbedingte Leseempfehlung!

Vernissage im Greifswalder IPP: Dorota Albers




(Zum Vergrößern anklicken!)

Sonntag, 9. August 2009

Russen II




Wenedikt Jerofejew: Die Reise nach Petuschki. Ein Poem. München: Piper, 13. Aufl. 2009 (Serie Piper 671). 168 S., kartoniert. ISBN 978-3-492-20671-6, EUR 7,95

Am Ende heißt es, er "kam von einer einwöchigen Sauftour". Wenitschka, der Held dieser Geschichte. Zurerst lernen wir ihn kennen, wie er auf einer Treppe in einem ihm fremden Mietshaus in Moskau sitzt, eine Tasche an sich gepreßt, und nach einem Alkoholexzeß fast wieder klar wird.
Die Erzählung gewinnt Fahrt durch die Jagd nach Alkohol, um die Alkoholfolgen zu mildern, in der Zeit "zwischen Morgendämmerung und Ladenöffnung". Nach und nach erfahren wir, daß "wieder einmal" Freitag ist, daß er sich jetzt auf den Weg zum Kursker Bahnhof, offensichtlich einem der Moskauer Bahnhöfe, machen wird, um von dort aus in sein persönliches Paradies zu fahren, nach Petuschki, wo Geliebte und ein Sohn (der schon den Buchstaben "Q" erkennen kann) auf ihn warten. Wie offenbar jeden Freitag beginnt die Fahrt mit der Suche nach dem Bahnhof, wobei der Held anmerkt, daß er trotz seiner Touren kreuz und quer durch Moskau noch nie den Kreml gesehen habe.
Ströme von Alkohol verschiedenster Sorten sind bereits durch seine Kehle geflossen, als er Bahnhof und Zug erreicht, und dies wird während der Fahrt auch nicht anders werden. Der einzige Unterschied ist der, daß er nicht mehr alleine säuft, sondern alle Mitfahrenden es ihm gleich tun.
Die Zugfahrt selbst (die von Station zu Station geschildert wird) vergeht mit Räsonnements verschiedenster Art, philosophischer, literaturgeschichtlicher, politischer, zeitgeschichtlicher. Sie wird insgesamt immer abstruser und steigert sich am Ende in eine surrealistische Szenerie einer wiedereingetretenen Einsamkeit des Helden, der in einem Zug mit geisterhaft klappernden Türen und ohne Mitfahrer im vermeintlichen Petuschki ankommt, das sich dann allerdings als Immer-noch-Moskau entpuppt. Alle Flaschen sind leer, die Tasche mit den Geschenken für Geliebte und Sohn geklaut. Verfolgt von den, wie er imaginiert, vier Erzengeln, landet er wieder in einem Hausflur, wo ihm das Schwert Gabriels in Gestalt eines Pfriems durch den Hals gebohrt wird. Kurz vorher, während der Verfolgung, hat er endlich den Kreml gesehen...
1969 geschrieben, lange nicht veröffentlicht, als russische Ausgabe 1973 in Israel erschienen, in Rußland erst 1988, die erste deutsche Ausgabe erschien 1978, hat dieses Buch eine sprachliche Gewalt (Übersetzerin: Natascha Spitz), die den Leser förmlich vom Sessel bläst. Größtenteils innerer Monolog, gibt der Text aber auch romanhaft die Gespräche der Reisenden wieder. Von der Anlage des "Poems" her durchaus vergleichbar mit Bruno Schulz' "Zimtläden", ist die Sprache jedoch wesentlich realistischer, näher an den "Reisenden" und der Alltagssprache des Helden.
Ein Buch, das einen in jeder Hinsicht "mitnimmt", sowohl, was das Mitleid mit einem durch Alkoholmißbrauch Geschädigten angeht, als auch in den Zug, durch die Geschichte bis hin zu ihrem fast schon logischen Ende.
Unbedingt lesen!

Sonntag, 2. August 2009

Greifswalder Lyrikzeitung

Die wohl mächtigste und inhaltsreichste Plattform für Lyrik aller Zeiten, Sprachen und Formen hat eine neue Adresse:



Samstag, 1. August 2009

Heraus, Meister des Wortes!




(Anklicken zum Vergrößern!)

Der Kleiderschrank als Ein- und vor allem Ausgang

Die werten Lesenden erinnern sich noch an Erich Kästners "Der 35. Mai"? Der Gestalter der Broschüre der neuen SZ-Bibliothek "Junge Bibliothek Fantasy" offenbar auch:



(Anklicken zum Vergrößern)