Dienstag, 6. Oktober 2009

Unsere Freunde, die Garagenantiquare bei amazon.com *update*

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"Sehr großes und sehr schweres Buch"
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"Für ein bald 100 Jahres altes grosses und schweres Leinengebunden Buch gut erhalten. Der Leineneinband ist leider sehr ergraut aufgrund der Staubeinwirkung vom Dachboden, Die Schnittkanten sind soweit in Ordnung. Aufgrund der Schwere des Buches ist das Buchgelenk nicht mehr sooooo fest, aber nicht eine Seite lose. Papier leicht gilb (oder es war schon immer so) Innen sauber mit vereinzelt wenigen Blätterspuren.Schnitt etwas angestaubt. Sehr großes und sehr schweres Buch - ca. 5 kg"
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*update*

""Der traditionelle Antiquar ist ein genauso großer Bücherliebhaber wie der Sammler selbst, denn in anderen Berufen könnte man mit dem gleichen Aufwand an Arbeit und Geld mehr verdienen als im Antiquariat" [...]. Jedenfalls gab es jetzt plötzlich viele-alte-buecher, Quickmedia, Lilabi's, biggis-bücherkiste und ähnliches mehr im Internet. Gegenseitig beschimpft man sich wahlweise als Edelklitsche oder Garagenhändler. Und was teilweise an Offerten in den verschiedenen Internetforen von diesen neuen Marktteilnehmern dargeboten wird, lässt mich doch am Bücherliebhaber sehr zweifeln. Von unverständlich bis unglaublich ist alles zu finden [z. B. "Standardbuchformat" oder "Alte Schrift", U. R.]. Natürlich kann man, wie es einige wohl praktizieren, Buchaufnahmen im Akkord honorieren, aber die Ergebnisse in gedruckter Form würde man meistens doch kopfschüttelnd ziemlich schnell wegwerfen. Aber die Fortexistenz und augenscheinliche Zunahme solcher Anbieter vermittelt den Eindruck, dass es viele Besteller nicht stört. Es kommt sicher vor, dass die eigentlich unverständliche Beschreibung von einer verständlicheren profitiert, dann hilft Rationalisieren natürlich den aufwändiger erarbeiteten Preis zu unterbieten. Da ist die mittlerweile softwareunterstützt "arbeitende" Kopierguerrilla doch sogar eine Anerkennung für die Arbeit derer, die die "Masteraufnahme" für einen Titel erstellt haben, leider bekommen sie dies nicht honoriert. Auch nicht von den Softwareanbietern, die diesen Datenklau systematisiert haben." (Wilhelm Hohmann: "Zum Thema Antiquariat: Humus?", in: Zeichen - Bücher - Wissenssätze. 125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek. Herausgegeben von Stephanie Jacobs, Göttingen: Wallstein 2009, S. 51-58; Zitat: S. 53f)

Kommentare:

  1. Lieber Herr Dr. Rose,

    eine schöne Kompilation, deren erster Teil sich ja um noch viel größere Grausamkeiten vermehren ließe.

    Dank und Gruss Ihr OW Plocher!

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  2. "Buchgelenk nicht mehr sooooo fest" finde ich super. An anderer Stelle wird ja immer beklagt, daß die individuelle Persönlicheit des Antiquars in der vereinheitlichten Optik der Plattform-Datensätze nicht mehr abgebildet wird. Hier kann man sich ein Beispiel nehmen. Toooootal originell. Da hat jemand Profil gezeigt.
    Bei der Gelegenheit: Ich habe ja den Eindruck, daß Gebrauchtbuchhändler, die im Billigstsegment schlecht beschriebene schlechte Bücher verramschen dafür einen hohen Preis zahlen: Nämlich kleinkarierte Kunden, die das billigste Buch grabschen und dem Händler hinterher auf die Nerven gehen, die Versandkosten von 3 Euro seien unangemessen für ein Buch, das nur 99 Cent gekostet hat. Außerdem seien die Gelenke nicht sooooo sondern soooooooo locker, sofern der Kunde überhaupt weiß, was die Gelenke sind und er nicht über was anderes meckert, zum Beispiel die Billigheimer-Standard-Luftpolsterversandtasche, die eine 5-Kilo-Schwarte kaum vor bestoßenen Ecken schützen kann. Die Kollegen vom unteren Preissegment sind daran zwar selbst schuld, verdienen aber trotzdem unser Mitgefühl, wenn wir bei einer Tasse Tee unsere Buchhaltung streicheln und feststellen, daß der Durchschnittspreis unserer verkauften Titel bei 15, 20 oder 30 Euronen liegt. - Michael Stein -

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