Sonntag, 27. Dezember 2009

Fischerteppiche u. a.

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Beim Streifen durch das www ist mir dieser Blog begegnet, der sicherlich einige Aufmerksamkeit verdient - nicht nur, weil er bis heute Abbildungen und Erläuterungen zu über 60 Fischerteppichen bietet, sondern auch, weil er Nachrichten aus einer Gegend bringt, die im Netz bisher ziemlich vernachläßigt wurde. Lesenswert!

Zum Anfüttern:


Das Bild entstammt diesem Post.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Die Inschriften von Greifswald

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Schon einmal vormerken: Am 18 Januar wird der Band "Die Inschriften von Greifswald" um 18 Uhr im Dom präsentiert.

Kontakt hier bei der Arbeitsstelle Inschriften, Historisches Institut.

Die Inschriften der Stadt Greifswald, Die Deutschen Inschriften, Band 77, Göttinger Reihe 14. Band, gs. u. bearb. von Jürgen Herold und Christine Magin, 2009, 556 Seiten, 123 s/w- und 26 Farbabb., Zeichnungen und 2 Kirchengrundrisse, Ln. mit Schutzumschlag, EUR 62,00, ISBN 978-3-89500-668-5, ca. EUR 62.
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Sonntag, 20. Dezember 2009

Orchestrion EVA BLUM

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Liebe Freunde der zwischenfestlichen Kultur.

Wir sind überaus erfreut Euch mitteilen zu dürfen, daß es uns nach langwierigen und zähen Verhandlungen mit der Zeit, den Unbilden der Natur und den dunklen Jahresendnächten gelungen ist, Voraussetzungen zu schaffen, die es uns allen, den Mitgliedern des Orchestrions EVA BLUM, des Kulturvereins Weitblick in Bugewitz und des potentiell sich in Vorfreude darauf befindliche zahlreichen Publikum´s, möglich machen, nocheinmal zusammenkommen, um ein unbescheidenes kleines infernalisches Leuchten am ostvorpommerschen Musikhimmel (Abteilungswölkchen-jazzähnliche Musik mit gelegentlichem Wiedererkennungseffekt) zu entfachen.

Keiner soll nachher sagen können: Wir wußten es nicht.

Wir zählen auf Euch am 27. Dezember 20 Uhr Zum Mühlengraben / Bugewitz im Kulturverein Weitblick e.V.

Trotz gegenläufiger Gerüchte; WIREXISTIERENUNDMUSIZIERENIMMERNOCH!

Allen Lesern dieser sachdienlichen Hinweise wünscht der Gleichstellungsbeauftragte und Referent für Öffentlichkeitsarbeit des oben genannten Ensembles ein cholesterinzugängliches, bekennend konsumorientiertes, erträglich melancholisches, heizkostenbezüglich effektives und feuerfestes Familienfest.
Dies ist eine computergenerierte Mitteilung und daher ohne persönliche Unterschrift.


Bild: Wolfgang Tietze / www.orchestrion-eva-blum.de

Sonntagsarbeit

Sonntag vormittag - Antiquar sitzt natürlich am Schreibtisch und macht seine Buchhaltung. Das Telefon klingelt: Frage zu einem Internet-Angebot (Beschreibung siehe unten). Weshalb der Anrufer erwarte, jemanden an einem Sonntag Vormittag im Antiquariat anzutreffen? - "Is doch 4. Advent. Alles offen!" - "Is dat ein Reprint oder watt?" - Nein, es handelt sich um ein Buch von 1926. - "Is datt ne Erstausgabe?" - Nein, es handelt sich um die 10. Auflage des Lehrwerks. - "Un wie is dat?" - Nur wenige Gebrauchsspuren. Erste und letzte Blätter sowie Schnitt leicht stockfleckig. - "Watt is vorne druff? Figurn?" - Terrakottafarbener Leineneinband mit Schwarzprägedruck von Titel und Autor sowie Zierleisten. - "Steht außer Terrakotta noch watt druff?" - Der Einband hat die Farbe Terrakotta. Autor und Titel stehen darauf. Dem Hauptband beigegeben ist eine Mappe mit Modellen; beides zusammen ist im Schuber - "Aha. Un watt is mit den Modellen? Hintendran?" - Nein; die Modelle sind in einer Mappe separat beigegeben; Hauptband und Mappe sind zusammen in einem Schuber. - "Ich überlech mir dat." Aufgelegt.

Weiter Buchhaltung.


Eintrag in der Internet-Datenbank:
Blohm, Gustav. Das deutsche Zimmerhandwerk. Ein Lehrbuch und Nachschlagewerk zur Anfertigung und Kalkulation aller Zimmerarbeiten. Neu bearbeitet und verbessert von Professor Th(omas) Weber. 10. Auflage, Mit 1332 Abbildungen und 4 Modellen in besonderer Mappe, Nordhausen, Heinrich Killinger dat. 1926. IX, 717 S., Gr8°, Ln. im OSchuber. Kopfblauschnitt. Nur wenige Gebrauchsspuren. Erste und letzte Blätter sowie Schnitt leicht stockfleckig.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Das Fell ist gewechselt!


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Gestern, Mittwoch, angekündigt in Funk + Fernsehen, gab es den "Fellwechsel" im Antiquariat.

Es ging international und zeitübergreifend zu: italienische Weihnachtslieder, englische Weihnachtsgedichte, alpenländische Jodler, internationale Kurzerzählungen, barocke Musik, Soul, Jazz, Besame Mucho... Und es gab sogar eine extra für diesen Abend geschriebene Geschichte, eine Welturaufführung sozusagen!

Dazu roch es gut nach Punsch und heißem Apfelsaft nach Geheimrezept aus Alt Ungnade.

Gegen Ende des Abends wurden Improvisationsgrad und -freude immer höher, bis sie zu einem gemeinsamen Chorgesang führten, der (fast) alle Anwesenden einschloß.

Dank der tätigen Mithilfe der SchauwerbegestalterInnen, der Beitragenden und der Organisatorinnen war es ein schöner Abend. Mein Bedauern gilt denen, die nicht gekommen sind!

Hier ein paar Impressionen:



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The day after
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Dienstag, 15. Dezember 2009

Vorbereitungen für den "Fellwechsel" morgen abend: Das Schaufenster ist gerichtet!


Musik!

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Heute bekam ich eine Mail von Bernd Schwahn, die ich gerne hier wiedergebe:


Hallo Freunde des Rock´n´Roll,

zur Zeit hat man wieder mal das Gefühl, das das Weihnachtsfest zu einer Art Jahrmarkt verkommt. Schon Henry Miller sagte mal, die "Deutschen, diese ewigen Mägen". Er vergaß den Glühwein und diese meist unsägliche akustische Brühe, die aus den Lautsprechern diverser Rummelplätze mit Weihnachtsbäumen dröhnt.

Nun, es dröhnt auch anders - am Wochenende wieder in Grimmen im Kulturhaus "Treffpunkt Europas". 3 Bands geben sich die Ehre: ab 21.00 - am Anfang die Bluezbusters aus Greifswald, die in Grimmen schon spektakuläre Auftritte hinlegten (ein Auftritt mit abgebrannten Nebengebäude, dieses Jahr "nur" eine Monitorbox in Flammen - das ist heiße Musik!). Die Busters haben dieses Jahr fleißig gespielt, u.a. als Support des Cheryl-Crow Gitarristen Todd Wolfe (den sie auch nächstes Jahr wieder supporten werden).
Z.Z. sind die Busters gerade im Studio für ihre erste reguläre CD (die Demo-CD, die in vielen Schülerkreisen als "Turnschuh-CD" zirkuliert, ist mal nicht mitgerechnet) und werden 3 oder 4 der neuen Stücke definitiv spielen.
Danach spielt Bluesrausch aus Stralsund, eine Band um den Pianisten Steffen Rausch, die ganz fantastischen Pianoblues macht, unterstützt von der Harp des sog. Prince of Harp und dem Gitarristen der East Blues Experience (einer Band, die ihre Alben mittlerweile in den USA aufnimmt und die als Support von ZZ-Top unterwegs war) sowie einer Rhythmusgruppe, die absolut tight spielt.
Als dritte Band spielt eine Band aus Polen, der Free Blues Club. Anschließend ist Jam-Session, etwas, was in Greifswald seit dem Ende der Blues-sessions durch die Basement-Leute nicht mehr existiert. Wer also Weihnachtsmusik nicht mehr hören kann und Spielfreude und heiße Soli in freiem Jammen sucht, wird hier bedient!

Im nächsten Jahr bahnen sich weitere Ereignisse an - die Band, die sich als sog. Montessori-Blues-Band für die Elternfete vor 3 Jahren gründete und es dann als The Blues Dentists bis zu einer Englandtour brachte, wird sich nach eineinhalb Jahren Pause wieder neu formieren und erneut die britische Insel mit ihrem Teutonenblues überziehen. Mitglieder sind z.T. beeindruckende Musiker - Ulf Jakobs an den Drums, der Drummer der Ska-Band Mutabor, die mittlerweile Deutschlands größte Indieband ist, weiterhin Drummer der Lousy Lovers und der Prog-Rock-Band Argos und natürlich auch als Solomusiker mit eigenen CDs bekannt. An der Hammond finden wir Axel Schulz, bekannt von AKIM und den legendären Lousy Lovers und als Multiinstrumentalist Mitglied bei John Helma. Am Tieftöner und Mikrophon Micha Meier von den Bluezbusters und an der Gitarre/voc Bernd Schwahn.
Zum Warmspielen für die neue Englandtour im Januar (März ist schon in der Planung) will die Band am 05.01.2010 ab 21.00 den Keller des Cafe Caspar beschallen, Eintritt 5 Euro, die Band braucht Fahrgeld. Impressionen der ersten Tour findet man hier, die Seite wird über die Feiertage noch ein bißchen aufgepeppt werden. Dann startet die Band nach Düsseldorf und weiter nach Leeds, auch Londoner Clubs haben Interesse signalisiert. Und nicht zuletzt wird wohl die Elternfete im nächsten Jahr wieder etwas schwungvoller werden.....

Das wärs an Neuigkeiten vor Weihnachten!
Gruß Bernd
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Montag, 14. Dezember 2009

Wurzelprinzessinnen u. a.: Knabes Jugendbücherei

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Allen Antiquaren wohlbekannt ist eine hübsche, aber nicht sehr umsatzträchtige Reihe: "Knabes Jugendbücherei". In meinem Datenbestand finden sich 150 Titel dieser Reihe, insgesamt bestand die Reihe aus 255 Titeln.

Nun ist eine Bibliographie dazu erschienen, die aber nicht nur über die Reihe, sondern über den sie publizierenden Verlag geht:

Jens Kirsten: Wurzelprinzessinnen, Detektive und eine Jugendbücherei voller Abenteuer. Die Geschichte des Weimarer Gebrüder Knabe Verlages, Weimar: Knabe 2009, ISBN: 978-3-940442-90-1, EUR 19,95



Der hübsche Halbleinenband, der in Größe und Gestaltung der in ihm beschriebenen Reihe ähnelt, umfaßt neben der ausformulierten Verlagsgeschichte, einem Beitrag über Kinder- und Jugendliteratur zu Beginn der fünfziger Jahre, einem weiteren zu der der sechziger und siebziger Jahre u. a. vor allem bibliographische Angaben zu den im Verlag erschienenen Reihen Das kleine Mirag-Buch, Deutsche Jugendbücherei, Fahrten und Abenteuer von Pitt und Ursula, Knabes Jugendbücherei und Die Volksschatztruhe. Es folgt ein Anhang mit Autoren, Illustratoren u. a.

Besonders hübsch ist die zwischengeschaltete "Bibliographie in Bildern", in der in chronologischer Reihenfolge die Cover sämtlicher Kinderbücher des Verlages aufgeführt werden.

Da das Büchlein genauso wohlfeil ist wie die Bücher der Reihe, kann ich es bedenkenlos empfehlen - ich zumindest weiß, daß ich jetzt noch 105 Bändchen bearbeitet haben muß, um "Knabes Jugendbücherei" einmal komplett in der Hand gehabt zu haben!
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Zum Advent: "Fellwechsel" im Antiquariat Rose in der Greifswalder Steinbeckerstraße

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Wie in jedem Jahr ("Zimmerbrand" oder "Feuchte Flügel" hießen hieß es in den letzten) findet auch in diesem Jahr im Antiquariat eine nicht sehr besinnliche, dafür aber höchst gemütliche und vor allem: schräge Veranstaltung zum Advent statt. In diesem Jahr hat ihr das vorbereitende Kommittee den Namen "Fellwechsel" verpaßt. Herzliche Einladung dazu! Mitzubringen sind: ein Beitrag (nicht länger als zehn Minuten; natürlich nur, wer will...), unverzichtbar: Sitzkissen und Becher; fast genauso notwendig: Plätzchen, am liebsten selbst gebacken. Aus Alt-Ungnade wird es wieder Erstaunliches und Leckeres geben (im letzten Jahr war es heißer Ingwer-Apfelsaft), vielleicht auch Waffeln. Der Eintritt ist, wie immer, frei. Also: Auf zum Fellwechsel! Er findet statt am Mittwoch, dem 16. Dezember 2009, ab 20 Uhr, in der Steinbeckerstraße 20 in Greifswald.
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Samstag, 12. Dezember 2009

Die geheimnisvolle Stadt in Mecklenburg

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In meinem letzten Newsletter (man kann ihn hier abonnieren) wies ich auf zwei Bücher des dänischen Autors Niels Brunse hin. Ein aufmerksamer Newsletter-Leser ließ mir daraufhin den Text eines Interviews zukommen (vielen Dank!), in dem der Autor ein wenig über das eine der beiden empfohlenen Bücher spricht. Hier der Text in Auszügen:

Ein Utopia hinter Wesenberg
WESENBERG. Zu allen Zeiten haben sich Menschen ein besseres Leben erträumt und utopische Orte erdacht. In seinem Roman „Die erstaunlichen Gerätschaften des Herrn Orffyreus“ verlegt Niels Brunse eine solche Freistatt ins 18. Jahrhundert nach Mecklenburg- Strelitz, wo der geheimnisvolle Ort Ramoth-Bezer an der Havel hinter Wesenberg versteckt liegt. Mit dem dänischen Autor sprach Matthias Wolf.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Ort gerade hier anzusiedeln?
In den siebziger Jahren, als ich in Moskau studierte, bin ich mehrmals zwischen Kopenhagen und Moskau gereist, natürlich immer über Berlin. Der Anblick der Fichtenwälder auf der Strecke durch die Mecklenburgische Seenplatte, mit den dunklen Ästen und den rötlichen Stämmen, wie von einem ewigen Sonnenuntergang beleuchtet, hatten für mich immer etwas Geheimnisvolles – vielleicht auchweil ich wusste, dass es unmöglich gewesen wäre, hier auszusteigen und die Landschaft zu erforschen, ich hatte ja nur ein Transitvisum. Diese Stimmung, diese Landschaft schien mir der richtigeOrt für das Sujet.
Die Handlung springt zwischen der Gegenwart und einem vermeintlichen Beginn der Neuzeit. Warum?
Als ich mit dem Recherchieren ernsthaft anfing, war die Mauer gerade gefallen. Ich buchte ein Hotelzimmer in Neubrandenburg und verbrachte einige Tage nur damit, auf gut Glück die kleinen Straßen zu erforschen; und ich habe tatsächlich einen kleinen runden See gefunden, der meinen inneren Vorstellungen ziemlich nahe kam. Zeitlich habe ich das 18. Jahrhundert gewählt, weil es die Zeit der Aufklärung ist, für mich der Anfang der „modernen“ emanzipatorischen Gedankenwelt – wie diese Emanzipation dann später unter „sozialistischem“ Vorzeichen verkümmerte, wissen wir.
Die sagenhafte Stadt in Mecklenburg ist letzte Zuflucht für Alte und Verfolgte, eine gleichberechtigte Gemeinschaft, derenGeschicke von einemRat geleitet werden. Die schweren Arbeiten übernehmen von einem Baumeister Orffyreus konstruierte Maschinen, die nach dem Prinzip des Perpetuum mobile funktionieren. Die Freistatt hat nur einenBaufehler:Umsie herumist eine hohe Mauer gezogen, wer sie einmal betreten hat, darf sie nie wieder verlassen. Haben Sie bei diesem Modell an die DDR gedacht?
Selbstverständlich hat das Bild dieser geschlossenen Gesellschaft mit ihrer Mischung von Geborgenheit und Zwang Bezug auf die DDR. Die Wegnahme der Freiheit ist die Geschichte des Sozialismus. Der Roman ist aber nicht nur eine DDR-Allegorie, es geht vielmehr um Überlegungen über Freiheit und Sicherheit: Sind diese beiden Werte antagonistisch oder nicht? Für die meisten Gesellschaften kommen dieseWerte in Frage und haben gewissermaßen auch individuelle Gültigkeit. Dem emeritierten Germanistikprofessor Robert Zahme, Ich-Erzähler der „Gegenwartssträhne“, stehen zwar sowohl Freiheit als auch soziale Sicherheit in der dänischen Wohlfahrtsgesellschaft zur Verfügung, aber er ist trotzdem von seiner Platzangst eingesperrt. Überhaupt ist der Roman ja keine getarnte Abhandlung, sondern Fiktion, er stellt mehr Fragen, als er Antworten liefert.
Reiseberichte spielen eine zentrale Rolle. Robert Zahme muss in den 1990er Jahren eine Reise unternehmen, um das Geheimnis der legendären Stadt zu untersuchen. Freiherr von Erlenberg, der im 18. Jahrhundert vermeintlich nach Mecklenburg-Strelitz aufbricht, hinterlässt einenBericht darüber. Und schließlich erzählt Herr Achilleus die Geschichte seiner Odyssee, die an Homers Sagen erinnert. Haben Sie diese Verweise bewusst eingesetzt, um den Stoff zu verfremden?
Die Reise als Suche, als Weg zur Erkenntnis ist eine wohlbekannte Metapher. Ich habe keine bewusste Absicht gehabt, damit den Stoff zu verfremden – es war für mich vielmehr eine Art Orchestrierung eines Themas. Herr Achilleus ist eine dieser Nebenfiguren, die fast von selbst während des Schreibens auftauchen, und ich habe bald gemerkt, dass er erstaunlich viel zu erzählen hatte, und ich dachte: Das soll er dann. Obwohl ich meine Bücher ziemlich genau plane, war er nicht vorgesehen. Solche Eindringlinge kommen vor. Er bereichert das Thema, und außerdem kann ich ihn gut leiden …
Das Rätsel um die Maschinen des Herrn Orffyreus ergibt eine verblüffende Lösung, die die Zeitebenen verbindet: „Die Kraft wird gegeben, wenn die Zeit verwandelt ist.“War ihr ursprüngliches Vorhaben „nur“ ein historischer Roman oder dachten Sie an einen germanistischen Krimi?
An einen Krimi jedenfalls nicht! Und germanistisch nur in dem Sinne, dass Robert Zahme als Germanist mit tiefergehendem Wissen über die Aufklärungsepoche in Deutschland ausgestattet sein konnte und weil die Aufklärung so schöne Figuren wie den fast naiven, aber gottvergnügten Brockes und das regelschaffende Monstrum Gottsched zu bieten hat. Zwischen den Zeilen dieser Literatur vernimmt man, dass die Aufklärung viel sinnlicher und leidenschaftlicherwar, als sie uns heute vorkommt. Robert Zahme kennt aus eigenem Erlebnis die Widersprüche zwischen den Auslegungen der Vernunft und den Eingebungen des Unbewussten.
Wie sind Sie zu diesem Bauplan gelangt?
Die Baugeschichte des Romans ist lang – ich glaube, etwa 15 Jahre vor dem Beginn des Niederschreibens hatte ich eine Idee, die eigentlich nur aus einem Bild bestand: die nächtliche Ankunft beim Fackelschein, von irgendeinemsuchendenWanderer in eine geheimnisvolle, umzäunte Stadt, von Greisen bewohnt. Erst nachdem die Parallelgeschichte in der Gegenwart entworfen war, konnte ich mit der Ausarbeitung anfangen.
Ihre Profession als Autor und Übersetzer zeigt gründliche Kenntnisse der DDR-Literatur und -Geschichte. Ist die überraschende Auflösung ihrer Romanhandlung das Ergebnis eigener Erlebnisse?
Gründlich ist zu viel gesagt. Die Auflösung hat, wie die ganze Handlung, wenig mit eigenen Erlebnissen zu tun. Aber ich kann mich in fremde Denk- und Erlebnisweisen hineinversetzen. Manchmal schreibtman als Autor einfach das Buch, das man selber gerne lesen würde.



Niels Brunse: Die erstaunlichen Gerätschaften des Herrn Orffyreus. Sammlung Luchterhand, München. 319 Seiten, 9 Euro. ISBN 978-3-630-62119-7

Niels Brunse, geboren 1949, hat in Dänemark bereits mehrere Romane, Erzählungen und Gedichtbände veröffentlicht. Er gehört zu den bekanntesten literarischen Übersetzern deutscher, russischer und anglo-amerikanischer Klassiker sowie von Shakespeare. 2008 erschien sein jüngster Roman „Der Meermann“ auf Deutsch: eine Zeitreise über die Nordsee ins England von 1647.

Nordkurier vom Freitag, dem 4. September 2009, Seite 21

Freitag, 11. Dezember 2009

Wie schön ist's doch eigentlich im lokalen Buchhandel...

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Einem Bericht des Börsenblatts zufolge ist der Anteil der Bücherkäufe über das Internet weiter gewachsen - mehr als ein Drittel aller Menschen, die sich im Internet bewegen, haben Bücher über das Netz bestellt und bezogen. Damit ist das Buch das meistgekaufte online-Produkt, vor Eintrittskarten (33,3 Prozent) und Musik-CD (25,2 Prozent).

Dabei gibt es erstaunliche Zahlen: Nur Körperpflegeprodukte werden im Internet häufiger abgefragt als Bücher.

Die entscheidende Passage lautet: "Bei der Conversion-Rate, also dem Verhältnis zwischen "Information gesucht" und "Produkt gekauft", liegen Bücher mit 58,2 Prozent an der Spitze (2008: 55,1 Prozent). Davon haben 38,7 Prozent (2008: 37,2 Prozent) den Kauf online abgewickelt. Einen so hohen Wert erreicht kein anderes Produkt."

Und da haben wir den Salat...

Ich glaube, man muß den Menschen noch einmal erklären, daß ein Buchkauf im Laden zehnmal besser und angenehmer ist, als ein click auf den Warenkorb, selbst wenn KundIn dafür ihren Allerwertesten vom Schreibtischstuhl erheben muß. Ein lokales Marketingkonzept aller ansässigen BuchhändlerInnen sollten wir entwickeln!


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Sonntag, 6. Dezember 2009

Eginhard Wegner (Greifswald; postum): Das Land Loitz

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Eine wichtige Publikation zur Regionalgeschichte, "Das Land Loitz zwischen 1200 und 1700", ist jetzt im Verlag Ludwig erschienen.

Mit dem Autor Eginhard Wegner (geboren in Anklam, aufgewachsen in Stettin, lernend und lehrend an der Universität Greifswald) verbindet mich wegen der Publikation der schwedischen Matrikelkarten im Steinbecker Verlag einiges. Er hat die Publikation der schwedischen Landesaufnahme mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften betrieben. Seit seinem Tod im Jahr 2001 ist das Projekt des Drucks der Karten und Textbände (bis auf einige wenige, zu seinen Lebzeiten bereits vorbereitete) zum Erliegen gekommen und wurde abgelöst durch die digitalisierte Publikation.

Menschlich war Eginhard Wegner, kurz gesagt, ein "feiner Herr".

Nun liegt seine Dissertation gedruckt vor, mit der alles anfing...



Wegner, Eginhard: Das Land Loitz zwischen 1200 und 1700. Ein Beitrag zu einer historisch-geographischen Untersuchung Vorpommerns [Die schwedische Landesaufnahme von Vorpommern 1692–1709, Sonderveröffentlichung]Kiel: Ludwig, 2009. ISBN: 978-3-86935-010-3. Paperback. 280 S. - 24,0 x 16,7 cm. 39,90 Eur
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Mittwoch, 2. Dezember 2009

Ein neuer Ort für Tango in Greifswald

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Am Freitag findet die erste Milonga in der Tapas-Bar "Campo Alegre" in der Langen Straße in Greifswald statt.

Nebenbei: Gut essen und einen leckeren Wein trinken kann man dort auch, selbst wenn gerade keine Milonga ist...



(Anklicken zum Vergrößern, danach die Rücktaste des Browsers)
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