Dienstag, 19. Januar 2010

Jäger und Sammler

Rainer Friedrich Meyer schreibt:

"Ich möchte, um es mir einfach zu machen, die Weltbewohner teilen in Anhänger eines der Cargokulte und Jäger/Sammler.

Erstere warten auf das Heil von oben, meint heute meist: vom Staat, und fühlen sich am wohlsten, wenn alimentiert und damit in einer sicheren Lebenslage, von der Wiege bis in den Tod. Der moderne Nanny-Staat ist ihr Teich, in dem sie faul wie früh altgewordene Fische treiben. Kaum eine Welle wird ihr träges, fernsehverseuchtes Gehirn bewegen, einzig die Nachrichten fremden Unglücks oder die Aussicht auf ein besonders günstiges Schnäppchen, das dem fernstehenden Produzenten kaum eine Krume einbringt, verleihen ihnen ein Geringes an Scheinlebendigsein.

Die anderen gehen auf die Pirsch, halten die Augen offen, spähen und nennen flinke Sinne und Hände ihr eigen. Sie mögen es, sich mit jenem zu umgeben, was sie ihrer angemessen erachten – und darin sind alle Zwischenstufen erlaubt, vom Messieheim über das Raritätenkabinett bis zur museumsreifen Sammlung. Mit jedem Stück, das in den magischen Kreis des Eigenen gezerrt wird, kommt ein wenig Welt herein: im Grunde also eine der zahllosen Weisen, sich einem Verstehen des Außen anzunähern und dem Leben Tiefe zu verleihen.

Zwei Lebensweisen, abstrakt und holzschnittartig beschrieben – welche wohl finde ich besser?"

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