Dienstag, 30. März 2010

Buchbranche in Nordvorpommern

Und noch eine Meldung über die regionale Buchbranche heute in der OZ:

Ostalgiker und Realist — Verleger Ciesielski ist tot


Kückenshagen (OZ) - Der Autor und Gründer sowie langjährige Chef des Scheunen-Verlags Kückenshagen, Andreas Ciesielski, ist tot. Er starb nach langer schwerer Krankheit am vergangenen Mittwoch. Freunde und Bekannte charakterisierten ihn als rührigen Menschen sowie als „ehrliche Haut“.

Ciesielski, am 2. Oktober 1945 in Berlin geboren, war 1987 aus seiner Geburtsstadt nach Kückenshagen bei Ribnitz-Damgarten gezogen. Hier betrieb der gelernte Maschinenbauer, spätere Journalist und kulturbesessene Programmgestalter seither eine Kulturscheune mit anspruchsvollen Kleinkunst-Gastspielen und Lesungen.

Schon vor der deutschen Vereinigung hatte er im August 1990 zu den ersten gehört, die freiwillig und öffentlich eine eigene Stasi-Mitarbeit eingestanden. Andreas Ciesielski hatte für das MfS unter dem Decknamen „Joszef“ einige Jahre über die polnische Gewerkschaft Solidarnosc berichtet. Als er auch deutsche Freunde bespitzeln sollte, stieg er 1986 aus und fand sich anschließend selbst als Abtrünniger beobachtet und beargwöhnt.

1992 gründete Ciesielski in Kückenshagen seinen Scheunen-Verlag. Er stellte seither mit einem Programm aus Ostalgie und interessanter Analyse harter Realitäten die umfangreichste Verlagsproduktion in Vorpommern seit der deutschen Vereinigung her. Ciesielski selbst hat seinen Verlag einmal als „Sprachrohr für all jene“ bezeichnet, „die ihre Stimme längst verloren haben oder die man nicht hören will, die nicht herausschreiben können, was sie bewegt“. D. P.

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