Donnerstag, 19. August 2010

"Wenn Amazon ein Buch nicht hat, scheint es heute gar nicht mehr zu existieren"

Im "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" findet gerade eine Auseinandersetzung um die unmittelbare Weitergabe (vulgo: den Verkauf) der ca. 1,2 Millionen Titeldaten des Verzeichnisses lieferbarer Bücher (VLB) an amazon statt.

Außer, daß amazon wegen der Sesselkleberei vieler potentieller Ladenkunden dem lokalen Sortiment langsam, aber sicher das Wasser abgräbt, hat auch der produzierende Buchhandel das eine oder andere kleine Problem mit amazon - wenn ein Buch nicht unbedingt ein Kassenschlager ist, wird es bei amazon nicht gelistet und ist damit nicht existent, denn viele benutzen amazon auch zur Recherche - erstaunlicherweise selbst Buchhändler.

Das allerbeste Rechercheinstrument ist natürlich das VLB selbst - für ALLE in der Endkundenvariante buchhandel.de zu ereichen. Das Verzeichnis ist übergreifend und nutzt nicht nur einem Konzern!

Mir selbst nutzt es am meisten, wenn neue oder antiquarische Bücher über meine Seite pomeranica.de gesucht und bestellt werden - oben rechts findet sich der Katalog der antiquarischen Bücher und der Zugang zur Recherche bei meinem Großhändler. Die dort gelisteten Bücher kann man sich dann nach Hause oder in den Laden schicken lassen.

So gut wie amazon ist der lokale Buchhandel allemal!

"Das Geschäft mit dem Datenverkauf wächst also, ist aber keineswegs neu: Schon seit Jahren verkauft die Wirtschaftstochter des Börsenvereins Titelinformationen aus dem VLB an externe Abnehmer. Schließlich, so MVB-Geschäftsführer Ronald Schild, sei genau das auch die Aufgabe der brancheneigenen Großdatenbank: "Das VLB ist die ideale Plattform für die Vermarktung von Büchern – das macht ihren Stellenwert aus." Die Preismodelle sind ganz unterschiedlich und individuell: Abnehmer aus den Nebenmärkten beispielsweise interessieren sich oft nur für einzelne Warengruppen wie Kinderbücher oder Hörbücher, andere Kunden beziehen die kompletten Rohdaten vom VLB (1,2 Millionen Titel von 20 000 Verlagen.)

Auch Amazon gehört zum Kundenstamm, und zwar bereits seit 2002. Seit 2009 werden die Rohdaten in "Echtzeit" online auf einen Amazon-Server überspielt. Kannibalisiert sich die Branche selbst, indem sie den marktführenden Online-Buchhändler mit den begehrten Titeldaten beliefert – und das ohne Quellenverweis? Diese branchenpolitische Frage stellt Peter Grosshaus, Geschäftsführer der Majuskel Medienproduktion in Wetzlar, zu der unter anderem die Verlage Büchse der Pandora, Anabas und Alpheus gehören. [...]

Sein Eindruck: Die Branche, der Börsenverein schaue »machtlos« zu, wie das stationäre Sortiment durch das Internet geschwächt werde. [...]

Dass die VLB-Daten allen Unternehmen "informationshalber" zugänglich sein sollten, zweifelt er nicht an. Aus seiner Perspektive ist es aber "mindestens unrichtig", die VLB-Daten anderen Unternehmen zu überlassen – und dabei hinzunehmen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehe, es handele sich um eigenständige, redaktionelle Leistungen der Lizenznehmer."

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