Sonntag, 28. November 2010

Jan Piskorski im Greifswalder Falladahaus

Der Historiker Jan Piskorski aus Szczecin / Stettin, der nicht zum ersten Mal im Falladahaus ist (und Autor des „Pommerschen Jahrbuchs für Literatur“ von Anfang an). Piskorski veröffentlicht seit Jahren Bücher und Aufsätze über ostmitteleuropische Geschichte und “Erinnerungskultur“ in Polen und Deutschland. Viele seiner Aufsätze zum Thema erschienen auch in deutschen Medien. Er verfaßte auch einen Beitrag für die in diesem Jahr kurzfristig wogende deutsche Debatte um die polnische Mobilmachung vom März 1939, der von einer Bemerkung Erika Steinbachs ausging. Leider schlug die FAZ das Angebot eines deutsch-polnischen Dialogs aus. Pom-lit dokumentierte seinen Beitrag hier:

Wo der Deutsche ist, ist Deutschland. Zur Debatte über polnische Mobilmachung.

Montag abend können Sie den Autor im Falladahaus hören:

Prof. Dr. Jan Piskorski (Universität Szczecin): Von nationalen Obsessionen, schöngefärbten Geschichten und dem Nutzen, schmutzige Wäsche zu waschen

Der Vortrag behandelt die polnische Erinnerung im Kontext der europäischen Auseinandersetzungen um die Auswertung der Vergangenheit. Es wird ein Blick auf die Veränderungen in den Mentalität europäischer Nationen geworfen, die den politischen Anforderungen häufig nicht gerecht werden. Zu diesen Problemen gehören auch die unterschiedlichen Erinnerungsformen, zu denen sowohl die persönliche, familiäre Erinnerung mit der Neigung zur Heroisierung der Vorfahren sowie die Erinnerung als Gegenstand der Macht zählt. Prof. Piskorski widmet sich in seinem Vortrag dem Gedenkprozess an die Opfer und wird auf die Frage eingehen, welchen Zweck der Erinnerungskult verfolgt: Geht es um das menschliche Bedürfnis, an die Verstorbenen zu erinnern oder eventuell auch darum, dem Opfer einen Sinn für die Berechtigung des Staates zu verleihen?

Prof. Dr. Jan Maria Piskorski wurde 1956 in Szczecin geboren und besetzt derzeit den Lehrstuhl für Vergleichende Geschichte Europas an der Universität Szczecin. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Geschichte Mittel- und Ostmitteleuropas im 19. und 20. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung des Themas der Migration und der Menschenrechte.
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