Donnerstag, 20. Januar 2011

Handschrift der Greifswalder Barockdichterin Sibylla Schwarz entdeckt und entziffert

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Sibylla Schwarz (Wikimedia Commons)

Von der "pommerschen Sappho" sind bisher keine Originalhandschriften überliefert. Das Leben der Poetin liest man (allzu verkürzt) aus ihren Gedichten. Diese wiederum sind ebenfalls nur indirekt zugänglich, nämlich aus der Hand des schwäbischen Theologen Samuel Gerlach (1609-1683). Er besaß die Handschriften, aus denen er zwölf Jahre nach dem Tod seiner „Schülerin“ in Danzig die Gedichtausgabe zusammenstellte. Über den Verbleib dieser Handschriften ist bis heute nichts bekannt. Aber Gerlach besaß noch ein weiteres handschriftliches Zeugnis, einen Eintrag der Dichterin in seinem Stammbuch. Immerhin ist es der siebenundsechzigste Eintrag, davor stehen Namen wie Bartholdus Krakevitz aus Greifswald, die Stettiner Daniel Cramerius und Jacobus Fabricius, Nicolaus Hunnius aus Lübeck — bedeutende, allseits bekannte Namen in der gelehrten Welt um 1630. Sicher möchte die damals fünfzehnjährige Poetin ihre Gelehrsamkeit, in dieser Zeit gleichbedeutend mit dichterischem Können, ebenso zeigen. Sie zitiert einen holländischen Vers aus einem damals weit verbreiteten Gedichtwerk Jacob Cats': „Man sollte sich zuerst um seine Seele Gedanken machen, und dann erst um den schwachen Leib; und ohne diese zwei ist Geld nur eine Bürde.“ Zu finden z. B. hier:
Houwelyck. Dat is De gantsche ghelegentheyt des Echten staets / Door I. Cats. Middelburgh : Venne, 1625



Jacob Cats (Wikimedia Commons)

Aus einer Meldung der Ostsee-Zeitung

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Die Gedichte sind hier nachzulesen:

Schwarz, Sibylla. Deutsche poetische Gedichte (Mittlere deutsche Literatur in Neu- und Nachdrucken 25). Herausgegeben und mit einem Nachwort von Helmut W. Ziefle. Faksimile-Druck nach der Ausgabe von 1650, mit einer Abbildung auf einer Tafel, Bern, Frankfurt a.M., Las Vegas, Peter Lang 1980. [260], 61 S., 8°, Kst. (Lederimitat).
* Sibylle Schwarz wurde am 14.2.1621 in Greifswald geboren und starb am 31.7.1638, ebenfalls in Greifswald. Sie trat früh mit lyrischen Werken hervor. Inhaltlich und formal meist an ihrem Vorbild Martin Opitz orientiert, schrieb sie Sonette, Oden und strophische Lieder sowie ein Susanna-Drama in verschiedenen Versarten und die Schäfererzählung Faunus. Hervorzuheben sind ihre Freundschaftsgedichte. Ihre gesammelten Gedichte wurde 1650 unter dem Titel in dem hier als Faksimile wiedergegebenen Buch von Samuel Gerlach herausgegeben.


Schwarz, Sibylla. Das schnöde Tun der Welt. Gedichte aus der Barockzeit. Herausgegeben von Horst Langer. Einband und Illustrationen von Ronald Paris, Mesekenhagen, buch.macher 2009. 81 S., 8°, Pp. m. Oschu.


Pommersches Jahrbuch für Literatur. Band 1. Herausgegeben von Karl-Heinz Borchardt, Michael Gratz und Roland Ulrich. Greifswald, Wiecker Bote 2003. 293 S., 8°, Lack. Brosch.

1 Kommentar:

  1. Hallo Herr Rose,
    immer schon wollte ich mehr wissen über Sybilla Schwarz und nun Ihr Beitrag!

    Dazu habe ich dann endlich auf Gribowski meine Bilder des leider arg ramponierten Hauses der Dichterin veröffentlicht: http://www.gribowski.de/2011/01/die-pommersche-sappho-sybilla-schwarz/

    Gruss, C. Müller-Gödecke

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