Montag, 16. Mai 2011

Moderne Technik

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Das Börsenblatt bringt eine Glosse:

13.05.2011Meinung: iPad

Die erfundene Lücke

Warum das iPad entbehrlich ist, obwohl es ­so schön »klick-klapperdiklapp« macht. Von Markus Barth.

Ich bin der vielleicht unkritischste Apple-Kunde der Welt. Ich bin da nicht stolz drauf, ich weiß, dass es jedes Produkt von anderen Anbietern günstiger gibt. Und spätestens bei der Nachricht, dass das iPhone meinen Aufenthaltsort speichert, hätte ich das Ding in die Ecke pfeffern sollen. Stattdessen lasse ich mich wieder einlullen und mir von Steve Jobs erzählen, dass das ein Programmierfehler war, denn so ist das halt, wenn man so genial ist wie die Jungs aus Cupertino: Man macht einen Fehler und auf ein Mal können Geräte mehr, als sie sollen. Ein schlimmes Schicksal.

Nur mit dem iPad habe ich ein massives Problem: Mir fällt ums Verrecken kein Grund ein, warum ich es mir kaufen sollte. Als Steve Jobs damals auf der Pressekonferenz sagte: »Das iPad schließt endlich die Lücke zwischen iPhone und Laptop«, kam sogar ich ins Grübeln. »Da war ’ne Lücke?«, dachte ich mir. »Da ist doch keine Lücke! Gib’s zu, Steve – die hast du doch grade erfunden!«

Natürlich ist genau das die Genialität von Apple: Bedürfnisse erfinden. Und sie machen es immerhin nicht so plump wie zum Beispiel die Deutsche Post, die mit ihrem E-Postbrief auf fast putzige, aber auch ein bisschen erbärmliche Weise versucht, an der kostenlosen E-Mailerei mitzuverdienen. Aber dennoch – diesmal hat mich Apple nicht überzeugt. Was soll man mit einem iPad? Filme schaue ich auf meinem Laptop. Das hat zwar den Nachteil, dass im ICE nach drei Minuten Kinder neben meinem Sitz stehen und auf den Monitor starren. Nach fünf Minuten rennen sie dann zu ihrer Mutter und rufen: »Mama, der Mann schaut was mit Vampiren und ’ner Frau, die fast nackig ist!« Aber das würde ja mit einem iPad auch nicht besser.

Bücher will ich nicht darauf lesen. Steinigt mich, beschimpft mich und beschmiert mich mit elektronischer Tinte, aber zu einem Buch gehören Seiten aus Papier. Schon mal an einem alten Karl May aus der Stadtbibliothek geschnuppert? Das kann kein iPad.

Und als Statussymbol im ICE will ich es auch nicht. Ich hätte eher mal Lust, mich mit meiner alten Etch-A-Sketch-Zaubertafel in die erste Klasse zu setzen und wichtigtuerisch an den weißen Knöpfen herumzudrehen. Nur um zu sehen, wie viele der Mitreisenden eine Woche später auch so eine Tafel haben.
Als das iPad 2 erschien, habe ich es trotzdem noch mal versucht.

Ich schnappte mir meinen Freund und trug ihm alle Vorteile des neuen Geräts vor, in der Hoffnung, er würde sagen: »Na, jetzt aber los! Schnapp dir das Teil!«:
»Guck mal«, begann ich, »das ist jetzt noch dünner!«
»Wenn du’s nicht brauchst, ist es doch egal, wie dünn es ist, oder?«, antwortete er.
»Aber ... man kann damit Videokonferenzen führen.«
»So, wie mit deinem iPhone?«
»Und es hat einen Metall-Deckel, den man nach hinten klappen kann.«
»Hat ein Joghurt-Becher auch.«
»Der Joghurt-Becher-Deckel macht dabei aber nicht so schön ›klick-klapperdiklapp‹.«
Mein Freund seufzte: »Du willst dir für 600 Euro ein Gerät kaufen, das du nicht brauchst, weil es dün­ner ist als der Vorgänger, den du auch nicht gebraucht hast, und weil es ›klick-klapperdiklapp‹ macht?«
Ich stockte kurz. »Klingt das, wenn ich es sage, genauso absurd, wie wenn du es sagst?«, fragte ich dann.
»Ja«, antwortete er.
»Dann lass ich’s wohl besser.«
Ich denke, ich steige erst wieder ein, wenn Apple endlich die Lücke zwischen iPhone und iPad schließt.


Markus Barth, Autor
© Brainpool

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