Dienstag, 5. Juli 2011

Fallada-Fest in Greifswald




Auch in diesem Jahr findet kurz vor Falladas Geburtstag das Falladafest des Vereins pom-lit statt, und zwar Freitag den 8. und Sonnabend den 9. Juli. Erleben Sie im Falladahaus (Steinstr. 59, Eingang über den Hof) Literatur und Theater, kommen Sie bei Speis und Trank mit uns und unseren Gästen ins Gespräch, stöbern Sie auf Büchertischen oder dichten Sie selbst.


Das Programm:


Freitag
8.7.
20:00 Uhr
Jörg Gfrörer (Kummerow) und Sabine Lange (Feldberg)
lesen Auszüge aus ihrem Drehbuch „DIE ARCHIVARIN“ und aus dem Roman „SCHLÜSSELBUND".
Erzählt wird eine Ost-West-Liebesgeschichte im letzten Jahr der DDR. Im Mittelpunkt stehen HANNA (35), eine Archivarin, die den Nachlaß des Schriftstellers Hans Fallada betreut, und ein junger Literaturwissenschaftler aus den USA, der Material für seine Doktorarbeit sucht. Die Liebenden geraten in das Visier der Stasi bei dem Versuch, ein geheimes Fallada-Tagebuch, das in der DDR nicht veröffentlicht werden kann, in den Westen zu schmuggeln. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, entnommen dem Roman „Schlüsselbund“ und den Tagebuchaufzeichnungen von Sabine Lange.


Sabine Lange wurde 1953 in Stralsund geboren. Nach einem Pädagogikstudium in Greifswald studierte sie Musik in Rostock, gefolgt von Literatur in Leipzig. 1983 wurde sie als Archivarin im Hans-Fallada-Archiv in Feldberg eingestellt, nach der Wende aber entlassen, als sie sich weigerte, zusammen mit ehemaligen Mitarbeitern der Stasi ihre Gedichte vorzutragen. Sie schrieb verschiedene Bücher zu Hans Fallada und ist Gründungsmitglied der Hans-Fallada-Gesellschaft und des internationalen Fallada-Forums.


Werke (Auswahl)
Fallada - Fall ad acta? – Sozialistische Erbepflege und das MfS, Edition Temmen, Bremen 2006
Verschwiegene Gedichte (Gedichte), Edition Rugerup, Schweden 2006
Schlüsselbund (Roman), Edition Rugerup, Schweden 2007
Hans Fallada: In meinem fremden Land, Gefängnistagebuch 1944, (Co-Hrsg.), Aufbau Verlag, Berlin 2009


Filme von Jörg Gfrörer:
Günter Wallraff - Ganz unten (1985)

... sonst steht ja der Betrieb hier still (1973)


Sonnabend
9.7.
16:00 Uhr


„Zauberhaftes Mäuseken Wackelohr“
Zum Falladafest gibt es auch in diesem Jahr eine Familienvorstellung der „Geschichten aus der Murkelei“.
Die berühmten, wundervollen, witzigen, einfühlsamen und manchmal komischen Kindergeschichten von Hans Fallada - gespielt und erzählt vom Studententheater.


Ab 17:00 Uhr Kühlschrankpoesie auf Falladas Zellentür (wir haben neuen Wortschatz gesammelt, zu den bisherigen deutschen und englischen Wörtern kommt ein Kästchen mit erotischem Wortschatz und eins, das der österreichische Dichter Franz Josef Czernin zusammengestellt hat). Wie immer werden wertvolle Buchpreise vergeben.


Ein Bücherflohmarkt aus dem Buchprojekt Bahnhof Jeeser lädt zum Kaufen und Schmökern.


18:00 Uhr
Simple Ranger ins Bild gerückt. Eine Dada-Collage von und mit Erik Münnich und Raimund Nitzsche. (u.a. mit der pommerschen Dada-Baroness Else von Freytag-Löringhoven – eine Frau aus Pommern, die in New York die Avantgarde einführte und Marcel Duchamp, Ezra Pound oder Ernst Hemingway inspirierte).


20:00 Uhr
Kopien nach Originalen


Ein heiterer Parforceritt durch die Lyrikgeschichte von Shakespeare bis Ernst Jandl in Parodien


Parodien sind lustig, aber sie sind noch mehr. Ein Mittel im Kampf, den Gegner lächerlich zu machen, Notwehr gepeinigter Schüler („Wer reitet so spät durch Kraut und Rüben“). Aber eine Parodie kann auch ein Kompliment sein: Wer nicht auf Witz, sondern wirklich auf das Wesen eines Textes zielt, braucht einen guten Gegner: Parodieren kann man nur was Stil hat. Man spricht auch von Pastiche oder Hommage. Das Verfahren bleibt dasselbe. Der eifrige Epigone parodiert unfreiwillig sein großes Vorbild … Parodie ist überall. Bertram Reinecke durchreist mit eigenen Parodien die Lyrikgeschichte, immer auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Wie ist das gemacht?
Gleichzeitig beschäftigt ihn als Verleger (Reinecke & Voß) die Frage, was das für die Möglichkeiten heutiger Literatur bedeutet.


Bertram Reinecke, geb. 1974, aufgewachsen in Mecklenburg-Vorpommern, lebt seit 2000 in Leipzig. Absolvent des Deutschen Literaturinstituts. Er veröffentlichte 2 Lyrikbände: „An langen Brotleinen“ und "Chlebnikov am Meer“ sowie Gedichte in zahlreichen Anthologien (z.B. Jahrbuch der Lyrik, Quellenkunde, Versnetze) und Zeitschriften (z.B. Akzente, Bella Triste, Zwischen den Zeilen). Vorlagen für Werke der zeitgenössischen Musik (u.A. für Kompositionen von Xadica Zeynalova, Johannes X. Schachtner, Mathias M. Møller).
Außerdem literaturkritische Arbeiten für verschiedene Zeitschriften und den Hessischen Rundfunk, Sprachkritiker der journalistischen Fachzeitschrift „Message“
Betreibt den Verlag „Reinecke & Voß“, bei dem zeitgenössische Literatur und Poetologie (Johanna Schwedes, Norbert Lange, Georg Hoprich) sowie Texte der europäischen Avantgarden und ihrer Vorläufer (Aloysius Bertrand, Alexej Krutschonych) erscheinen.


Gegen 22:00 Uhr Siegerehrung der Kühlschrankpoesie.

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