Dienstag, 30. Dezember 2014

Kultur in MV


Vorpommern ist ja scheinbar kulturlos - zumindest wurde dem Publikum keine Affinität zu den "Ostseefestspielen" attestiert, dafür zieht es jetzt alle Besucher_innen im Matrosenanzug zu "Ahoi".

Landesweit sieht es da schon anders aus:

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben mit ihren vier Festivalblöcken in diesem Jahr mehr als 80 000 Besucher erreicht. Das waren so viele wie nie zuvor, wie eine Sprecherin in Schwerin sagte. Die Sommersaison lockte 73 000 Musikfreunde zu 127 Konzerten und Veranstaltungen in Kirchen, Schlössern und Scheunen im ganzen Land.

 Überhaupt scheint die Musik der große Bringer zu sein:

Für den Landestourismusverband ist die Kultur ein wichtiger Besuchermagnet: „Mit der Qualität und der Vielfalt können wir uns sehen lassen. Es zeigt, dass MV nicht nur aus Meer und Strand besteht“, sagt Vize-Geschäftsführer Tobias Woitendorf. Zu den großen Open-Air-Festivals im Land würden jedes Jahr rund eine Million Besucher kommen.

Mal abgesehen davon, dass das die Konzerte sind, die man über den OZ-Onlineshop buchen kann, und dass viele der genannten "Stars" wie Helene Fischer z. B. eher zu einem sehr weit gefassten Begriff von "Kultur" gehören, scheint es so zu sein, dass Kultur nicht nur ein wichtiger, sondern sogar ein echter und harter Wirtschaftsdfaktor ist, und man dieses ewige Gerede vom "weichen Wirtschaftsfaktor", das immer nur zu weiteren Einsparungen im Kulturbereich führte, endlich einmal abstellen kann zugunsten einer Bewertung von Kultur, die nicht nur aus der Sessel-Nische mit der Partitur in der Hand und der Pfeife im Mund getan wird, sondern von den Leuten, die ansonsten jeglicher kultureller Bestrebung bei selbsterklärter "Gefahr im Verzuge" den Geldhahn abdrehen.

Kultur ist mehr als ein finanziell gepampertes Nischengeschehen - um es neoliberal zu formulieren: Sie rechnet sich!

Das muss jetzt nur noch irgendjemand auch noch unserem Kultusminister erklären.



Mittwoch, 17. Dezember 2014